Was bedeutet es, ein guter Gastgeber zu sein?

Was bedeutet es, ein guter Gastgeber zu sein?

Jeder kennt es sicherlich, mal einen schlechten Gastgeber erwischt zu haben. Privat ist mir das zum Glück nie passiert, aber im Restaurant schon häufiger. Ich warte zu lange auf den reservierten Tisch, zu lange auf die Getränkebestellung, der Wein ist zu warm, das Essen lieblos und irgendwie stimmt das gesamte Ambiente nicht. Man sitzt im Zug oder im Durchgang, die Musik ist zu laut, das Licht zu hell und wenn man von der Toilette zurückkommt, möchte man das Essen nicht mehr anrühren, wenn man sich dieselben hygienischen Zustände in der Küche vorstellt.

Nicht umsonst leistet sich die Spitzengastronomie den sogenannten Maître. Er ist der Restaurantmanager und Gastgeber zugleich. Im Tantris bei Hans Haas habe ich mal einen echten Maître mit Format erlebt. Er empfängt die Gäste, begleitet sie zu ihrem Tisch, schaut immer mal wieder zwischendurch vorbei, ob alles passt, berät bei der Menüauswahl und greift auch einfach mal selbst zur Weinflasche, wenn der Service nicht schnell genug mit dem Nachschenken war. Dies macht er ganz nonchalant, verwickelt den Gast in ein dem Zeitgeist-gemäßes Gespräch und keiner hat bemerkt, dass es ihm an irgendetwas gefehlt hätte. Perfekter Service, perfektes Menü, perfektes Ambiente.

Voraussetzungen eines guten Gastgebers

Mich hat der Gastgeber im Tantris dazu veranlasst, über die Frage nachzudenken, was es eigentlich bedeutet, ein guter Gastgeber zu sein.

Das Wort Gastgeber setzt sich aus den Worten „Gast“ und „Geber“ zusammen. Der Gastgeber gibt dem Gast etwas. In der ursprünglichen Bedeutung gibt der Gastgeber dem Gast Verpflegung und Unterkunft. Wenn Du heute Gäste zum Dinner hast, dann gibst Du ihnen in jedem Fall Verpflegung und manchmal sicher auch Unterkunft. Aber in jedem Fall gibst Du.
Wenn nun ein Gastgeber seinem Gast etwas gibt, muss dann nicht ein guter Gastgeber gerne etwas geben, um im Geben gut zu sein?

Dies könnte eine Voraussetzung für den guten Gastgeber sein, aber wenn man im Gastronomiebereich „Gastgeber“ als Bezeichnung auf der Visitenkarte haben kann, könnte es dann nicht auch etwas sein, das man lernen kann?

Vom Tellerwäscher zum Spitzenkoch

Also geht es doch sachlich um die Frage, was man denn können und tun muss, um ein guter Gastgeber zu sein.

Beim privaten Dinner ist es im Normalfall so, dass Du als Gastgeber einlädst, das Dinner planst, einkaufst, die Getränke kaltstellst, das Menü kochst, den Tisch deckst, kellnerst, Deine Gäste unterhältst und dabei auch noch gut aussiehst. Du suchst die Musik aus und zündest die Kerzen an. Du hast vielleicht auch vorher selbst noch das Gäste-WC kontrolliert, ob noch genügend Handtücher da sind und die Toilette sauber ist. Wenn die Gäste dann längst gemütlich im Bett liegen, räumst Du noch auf und machst den Abwasch. Du bist als Gastgeber eine Person in allem, was die Gäste glücklich und zufrieden macht. Du machst einfach alles vom Tellerwäscher bis zum Spitzenkoch. Damit ist eine gelungene Dinner Party auch eine große Herausforderung für jeden privaten Gastgeber. Da ist meist niemand, der hilft.

Das Können und Tun des guten Gastgebers

Aber trotz der ganzen Arbeit bin ich immer sehr glücklich, wenn es ein schöner Abend war. Denn dieses besondere Ambiente mit Freunden, mit gutem Essen, gutem Wein und guten Gesprächen erlebe ich besonders gerne in privater Atmosphäre zuhause.
Und damit es ein gelungener Abend wird, habe ich meine Gedanken über das Können und Tun des guten Gastgebers für Euch zusammengestellt.

  1. Frage Deine Gäste bei der Einladung, ob sie bestimmte Nahrungsmittel nicht mögen oder vertragen. Plane Dein Menü entsprechend. Gib bei der Einladung einen Dress Code an, wenn die Gäste Dich noch nicht so gut kennen. Meines Erachtens geht bei einer privaten Dinner Einladung der Dresscode Smart Casual immer gut.
  2. Koche niemals ein Menü das erste Mal, wenn Du Gäste hast. Probiere es vorher an Deinem Partner aus 😉 Das Menü sollte zudem nicht zu exotische Gerichte enthalten, wenn Du Deine Gäste noch nicht so gut kennst. Denn wenn Du in der Einladung fragst, ob es etwas gibt, was Deine Gäste nicht mögen, kommt keiner speziell darauf zu sagen „keine Kutteln, keine Austern, kein Saumagen“ – ja sogar bei den Austern muss man davon ausgehen, dass sie nicht jeder mag. Ich liebe Austern!
  3. Plane ein Menü, bei dem Du nicht den ganzen Abend in der Küche stehst, während sich die Gäste ohne Dich unterhalten. Ich habe meine Menüs so kreiert, dass Du etwas vom Abend mit Deinen Gästen hast.
  4. Kaufe ausreichend Getränke. Du solltest sowohl stilles, als auch sprudelndes Wasser anbieten können. Der Wein sollte gut temperiert sein, der Sekt, Weißwein und Rosé richtig kalt, der Rotwein nicht zu warm. Du solltest mindestens zwei Flaschen Wasser und eine Flasche Wein pro Person rechnen. Reserven können nicht schaden, sie können ja auch zum nächsten Anlass noch getrunken werden. Bier wird oft im Sommer und insbesondere beim Grillen getrunken. Hier kannst Du 1,5 Liter pro Person rechnen. Es ist immer gut, auch alkoholfreies Bier da zu haben. Es muss in jedem Fall schön kalt sein.
  5. Begrüße Deine Gäste mit einem Aperitif. Da bleiben die Gäste dann noch etwas stehen und schlürfen ihren Drink. Das lockert die Atmosphäre auf. Mit ein paar Häppchen dazu ist der größte Hunger schon gestillt.
  6. Sorge für ein angenehmes Ambiente. Neben einem schön dekorierten Tisch und Kerzen sollte es schöne Musik und eine angenehme Zimmertemperatur geben. Es sollte lieber zu warm, als zu kalt sein, lüften kann man immer noch. Das Ambiente sollte zum Anlass passen.
  7. Lass die Gäste nicht zu lange auf das Essen warten. Entwickle ein Gefühl dafür, wann es Zeit für den nächsten Gang ist. Meist sind es circa 30 Minuten zwischen den Gängen. Der Hauptgang sollte in Deutschland nie später als 22 Uhr serviert werden. Die Deutschen sind meist keine Spätesser. Dann kommt noch das Dessert und der Käse und man kann bei einem guten Rotwein immer noch versacken.
  8. Schneide keine kritischen Gespräche beim Dinner an und wenn dies einer Deiner Gäste tut, versuche das Gespräch mit Humor und Witz wieder in eine andere Richtung zu lenken. Solche Gespräche können einen ganzen Abend zerstören.
  9. Das Gäste-WC muss sauber sein. Das ist eine Visitenkarte. Du kannst zusätzlich mit Duftkerzen, schönen Accessoires und einzelnen Gästehandtüchern für ein gutes Gefühl sorgen. Niemand möchte sich an einem feuchten Gemeinschaftshandtuch die Hände trocknen.
  10. Fällt Euch noch etwas ein?

Also nehmt doch mal wieder die Herausforderung an und macht Eure Gäste richtig glücklich! Kocht ein tolles Menü und dekoriert schön ein. Damit habt Ihr die halbe Miete.

Viel Spaß dabei,
Eure Katja

PS: Kein Nachdenken, ohne Genuss! Die köstlichen Zucchini-Blätterteig-Kekse auf dem Bild sind leicht gemacht und auch ganz toll für einen Aperitif. Ihr braucht fertigen Blätterteig, kleine Zucchini, Oregano, etwas Olivenöl und Salz. Das Rezept findet Ihr hier.

 

3 Idee über “Was bedeutet es, ein guter Gastgeber zu sein?

  1. Anja sagt:

    Liebe Katja,

    danke, dass du diese Frage gestellt hast.
    Wir versuchen ja alle unser Bestes zu geben und manchmal sind es die Kleinigkeiten, die einen Abend eben schöner machen können. Ob es nun die Reihenfolge der Zutaten und der Zubereitung von den Speisen sind, die ich mir selber so vorstelle oder die Frage, welche Tisch-Deko… und …ist das vielleicht schon zu viel des Guten…
    Dein Punkt 2, ein Menü vorher zu üben ist auf jeden Fall sinnvoll… habe ich selber erlebt und den Braten leider zu lang im Ofen gehabt… 😉 …glücklicher Weise hatte ich sehr verständnisvolle und liebe Gäste, die alles mit einem Lächeln und guter Laune mitgemacht haben. Das nächste mal stell ich mir einen piepsenden Wecker… 😉

    Liebe Grüße und dir weiterhin viel Erfolg bei allem, was du noch so kreierst.

    • Katja sagt:

      Liebe Anja,

      ja, das mit dem Fleisch ist immer so eine Sache, daher habe ich in vielen Rezepten ja schon mein geliebtes Fleisch-/Bratenthermometer empfohlen 🙂 Da kann dann nichts mehr schief gehen.
      Aber Verständnis für den Gastgeber – wenn mal etwas schief geht – sollte man immer haben. Denn es ist immer wieder mit viel Aufwand und viel „Geben“ verbunden, wenn man einlädt und das sollte in jedem Fall anerkannt werden.
      Viele liebe Grüße, Katja

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